Technik

WDVS planen: Der komplette Leitfaden 2026

Ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) ist die effektivste Methode, um den Energieverbrauch eines Gebäudes drastisch zu senken und gleichzeitig die Fassade optisch aufzuwerten. Doch die Planung ist komplex: Von der Wahl des Dämmmaterials über die Berechnung der Dämmstärke bis hin zur Berücksichtigung von Brandschutzanforderungen gibt es viele Entscheidungen zu treffen. Dieser Leitfaden begleitet Sie durch alle Planungsschritte.

Dauer: 2-4 Wochen
Schwierigkeit: Schwer
7 Schritte
1

Bestandsaufnahme und energetische Bewertung

Lassen Sie den aktuellen energetischen Zustand Ihres Gebäudes von einem Energieberater (dena-zertifiziert) bewerten. Er erstellt einen Energieausweis und berechnet den U-Wert der bestehenden Außenwand. Auf dieser Basis wird die notwendige Dämmstärke ermittelt. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) fordert bei Sanierung einen U-Wert von maximal 0,24 W/(m²·K). Um KfW-Förderung zu erhalten, sind oft noch bessere Werte nötig (0,20 W/(m²·K) oder weniger).

2

Dämmstoff auswählen

Die zwei gängigsten Dämmstoffe für WDVS sind EPS (Expandiertes Polystyrol, Styropor) und Mineralwolle (Steinwolle oder Glaswolle). EPS ist günstiger und leichter, Mineralwolle bietet besseren Brandschutz (A1/A2 nach DIN 4102) und Schallschutz. Ab Gebäudeklasse 4 (Oberkante Fußboden > 7 m) ist Mineralwolle oder ein Brandriegel-System Pflicht. Weitere Optionen: Holzfaserplatten (ökologisch, diffusionsoffen), Resolhartschaum (sehr dünn bei gleicher Leistung), Mineralschaum (nicht brennbar, diffusionsoffen).

3

Systemhersteller und Zulassung prüfen

WDVS müssen in Deutschland als Gesamtsystem zugelassen sein (allgemeine bauaufsichtliche Zulassung, abZ, oder Europäische Technische Bewertung, ETA). Mischen Sie NIEMALS Komponenten verschiedener Hersteller — das führt zum Verlust der Systemzulassung und damit der Gewährleistung. Führende Systemhersteller in Deutschland: Caparol (Capatect), Brillux, Sto, Baumit, Weber (Saint-Gobain). Fordern Sie die technische Systemdokumentation an.

4

Detailplanung: Anschlüsse und Sonderbereiche

Die größten Fehlerquellen liegen in den Details: Fenster- und Türlaibungen (Dämmkeil oder Laibungsdämmplatte), Sockelbereich (feuchteresistente XPS-Dämmung bis 30 cm unter Gelände), Dachanschluss, Balkon- und Loggiaanschlüsse. Planen Sie auch die neue Position von Rollladenkästen, Briefkästen, Hausnummern, Außenbeleuchtung und Regenfallrohren. Nutzen Sie FacadeColorizer, um die Farbgestaltung der fertigen Fassade bereits in der Planungsphase zu visualisieren.

5

Brandschutzkonzept erstellen

Seit verschärften Brandschutzanforderungen müssen bei EPS-Systemen umlaufende Brandriegel aus Mineralwolle alle zwei Geschosse (ab 7 m Gebäudehöhe) eingebaut werden. Über Fenster- und Türöffnungen sind Sturzschutz-Brandriegel vorgeschrieben. Dokumentieren Sie die Brandschutzmaßnahmen sorgfältig — sie sind Teil der Baugenehmigung und werden bei der Abnahme geprüft.

6

Kosten kalkulieren und Förderung beantragen

Rechnen Sie mit 120-200 €/m² Fassadenfläche inklusive Gerüst und Nebenarbeiten. Die BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) fördert Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle mit 15% der förderfähigen Kosten, mit individuellem Sanierungsfahrplan (iSFP) sogar 20%. Die KfW bietet zinsgünstige Kredite (Programm 261/262). WICHTIG: Förderanträge MÜSSEN vor Beginn der Arbeiten gestellt werden — ein nachträglicher Antrag ist ausgeschlossen.

7

Fachbetrieb beauftragen und Ausführung begleiten

Beauftragen Sie einen Fachbetrieb mit Erfahrung in WDVS-Systemen des gewählten Herstellers. Verlangen Sie Referenzen und prüfen Sie die Qualifikation (Innungsbetrieb, systemspezifische Schulung). Bestehen Sie auf einer baubegleitenden Qualitätskontrolle durch einen unabhängigen Energieberater — dies ist bei KfW-Förderung ohnehin Pflicht. Prüfen Sie bei der Abnahme: Ebenheit, korrekte Dübelmontage, vollflächige Armierung, saubere Anschlüsse.

Praktische Anwendung!

Nutzen Sie unseren Simulator, um diese Tipps direkt auf Ihren Projektfotos anzuwenden.

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