Deutsches Altbau-Badezimmer mit weißen Wandfliesen bis Brusthöhe, frisch matt weiß gestrichener Wand und Decke, weit geöffnetem Fenster, Farbeimer ohne Etikett, Farbwanne und Rolle auf Abdeckfolie
Innenraumgestaltung

Wandfarbe bei Schimmel: was Anti-Schimmel-Farbe laut Merkblatt und Umweltbundesamt leistet, wann Silikatfarbe besser ist und wann der Fachbetrieb ran muss

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Keine Wandfarbe beseitigt Schimmel. Was Anti-Schimmel-Farben laut Merkblatt und UBA leisten, wann Silikatfarbe besser ist und wann der Fachbetrieb kommt.
5 Min. Lesezeit

Keine Wandfarbe beseitigt Schimmel. Bei Schimmel an der Innenwand gilt die Reihenfolge: erst die Ursache finden (zu hohe Luftfeuchte, zu wenig Lüften, eine kalte Wandstelle durch eine Wärmebrücke), dann den Befall entfernen und die Wand trocknen lassen, zuletzt streichen. Eine Anti-Schimmel-Farbe ist eine Dispersionsfarbe mit Filmkonservierern, deren Schutz laut Caparol zeitlich begrenzt ist. Das Umweltbundesamt hält schimmelhemmende Wandfarben in Wohnräumen für nicht sinnvoll und lässt sie nur für Nebenräume außerhalb der Wohnung gelten, etwa Keller mit separatem Zugang; als Alternative nennt es mineralische Anstriche mit pH-Wert über 11, vor allem Silikatfarben. Ab einem halben Quadratmeter Befall, bei tiefem Befall oder unklarer Ursache gehört die Sanierung in die Hand einer Fachfirma.

Alle Produktwerte stammen aus den Technischen Informationen und Merkblättern von Caparol, Alpina, Schöner Wohnen und Brillux, die Empfehlungen aus dem Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts (Stand April 2024), abgerufen am 28.10.2026.

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Erst die Ursache: warum Schimmel an der Innenwand wächst

Der Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden des Umweltbundesamts (UBA) nennt die Schwelle klar: Für Schimmelwachstum genügt eine relative Luftfeuchte von 70 bis 80 % an der Oberfläche des Materials, wenn sie über längere Zeit einwirkt. Die Wand muss dafür nicht sichtbar nass sein. Entscheidend ist die Feuchte direkt an der Wand, und die steigt, wo die Wand kälter ist als der Raum.

Solche kalten Stellen sind Wärmebrücken: örtlich begrenzte Bereiche, durch die mehr Wärme nach außen abfließt, etwa Außenecken, Stützen in der Wand oder Holzbalken im ausgebauten Dach. Möbel verstärken den Effekt. Der Leitfaden rechnet für eine schlecht gedämmte Außenwand vor: An der freien Wand mit 15 °C Oberflächentemperatur liegen 70 % Oberflächenfeuchte an, hinter einem Schrank an derselben Wand sinkt die Temperatur auf 11 °C und die Oberflächenfeuchte steigt auf 89 %, in der Außenecke mit 6 °C fällt Tauwasser aus. Selbst in einem gut gedämmten Haus macht die Raumluftfeuchte den Unterschied: Bei 20 °C und 50 % relativer Raumluftfeuchte erreicht die Außenecke hinter dem Schrank 73 %, bei 60 % Raumluftfeuchte bereits 88 %, genug für Schimmel.

Wo der Schimmel sitzt, gibt deshalb oft einen Hinweis auf die Ursache. Die Übersicht fasst Zusammenhänge aus dem UBA-Leitfaden zusammen und ersetzt keine Begutachtung:

Wo der Schimmel sitztWahrscheinlicher Zusammenhang laut UBAErster Schritt
Außenecke, hinter Schrank oder Bett an der Außenwandkalte Oberfläche durch Wärmebrücke, kaum Luftbewegung hinter dem MöbelMöbel einige Zentimeter abrücken, Raum ausreichend heizen, Raumluftfeuchte messen
Fensterlaibung und Fenstersturzlanges Kipplüften kühlt diesen Bereich aus, Kondensation an den kalten FlächenStoß- statt Kipplüftung
Bad: Decke, Ecken, SilikonfugenFeuchtespitzen nach Duschen und Baden, die nicht schnell genug abgelüftet werdennach dem Duschen bei geschlossener Tür lüften, Fliesen abziehen, Fugen erneuern
Großer Fleck nach Rohrbruch, Leck oder HochwasserFeuchteschaden im BauteilUrsache beheben lassen; bei großer Fläche oder tieferem Befall die Fachfirma hinzuziehen

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Eine Farbe ändert an keinem dieser Zusammenhänge etwas: Sie macht die Wand weder wärmer noch die Luft trockener. Deshalb steht der Anstrich am Ende der Kette.

Messen, lüften, heizen: was Sie selbst prüfen können

Für die Eigenkontrolle nennt der Leitfaden einfache elektronische Thermo-Hygrometer aus dem Baumarkt, die allerdings nur eine grobe Einschätzung erlauben; gemessen wird im Raum, in Ecken und nahe der Außenwand. Die wichtigsten Regeln aus den UBA-Tipps zum Lüften und Heizen:

  • Stoß- und Querlüftung sind laut UBA die Mittel der Wahl. Gekippte Fenster müssten viel länger offen stehen und kühlen im Winter Laibung und Sturz so stark aus, dass dort Kondensat entstehen kann.
  • Bad und Küche: direkt nach der Nutzung mit komplett geöffnetem Fenster bei geschlossener Tür lüften, nicht quer durch die Wohnung; Restfeuchte auf den Fliesen abziehen. Innenliegende Bäder brauchen einen Abluftventilator, dessen Auslass nie verschlossen werden darf.
  • Dunstabzug: Viele Abzugshauben arbeiten als Umluftgerät; sie reduzieren Gerüche, entfernen aber nicht die beim Kochen freigesetzte Feuchte. Bewährt haben sich laut UBA Hauben mit Abluft ins Freie.
  • Heizen: In Schlafräumen reichen laut UBA im Allgemeinen 16 bis 18 °C; jede Person gibt pro Nacht etwa einen Viertelliter Wasser an die Raumluft ab. Wenig genutzte Räume geringfügig mitheizen, Heizkörper nicht zuhängen.
  • Möbel: an unzureichend gedämmten Außenwänden einige Zentimeter Abstand halten, möglichst auf Füße stellen.

Wer im Hauswirtschaftsraum Wäsche trocknet, findet Farbtöne und die Lüftungsfragen dieses Raums im Ratgeber Hauswirtschaftsraum streichen.

Schimmel entfernen vor dem Streichen: was Sie selbst tun können und ab wann die Fachfirma kommt

Überstreichen ist keine Sanierung: Caparol, Alpina und Schöner Wohnen verlangen in den Merkblättern ihrer Anti-Schimmel-Farben, vorhandenen Schimmel vorher zu entfernen. Wer das tun sollte, hängt von der Größe ab. Das UBA teilt sichtbaren Befall in Wohnräumen in drei Kategorien ein; die Flächen dienen nur der Orientierung:

KategorieAusdehnungWas der Leitfaden empfiehlt
1: Normalzustand oder geringfügiggeringe Oberflächenschäden unter 20 cm², etwa bewachsene Dichtungen im Badkeine Sofortmaßnahmen nötig, Ursache erkennen und abstellen
2: gering bis mitteloberflächlich, unter 0,5 m², tiefere Schichten nur lokal betroffenbei bekannter Ursache oft selbst zu beseitigen; Fachfirma, wenn die Ursache unklar ist oder Putz entfernt werden muss
3: großüber 0,5 m², auch tiefere Schichten können betroffen seinSanierung durch eine Fachfirma, Ursache kurzfristig beseitigen

Selbst beseitigen sollten den Befall nur Menschen, die nicht allergisch auf Schimmelpilze reagieren und nicht an Erkrankungen des Immunsystems leiden. Was der Leitfaden für kleine Flächen empfiehlt:

  • Glatte Flächen wie Fliesen und Glas mit Wasser und Haushaltsreiniger abwaschen; stark befallene Silikonfugen erneuern (Mieter in Absprache mit dem Vermieter).
  • Verputzte oder gestrichene Wände mit einem Reiniger mit 70 bis 80 % Alkoholanteil oder einem Haushaltsreiniger und Mikrofasertuch abwischen, vorher gegebenenfalls mit HEPA-Staubsauger absaugen; beim Alkohol gut lüften, kein offenes Feuer.
  • Kein Essig: Auf diffusionsoffenen Baustoffen rät das UBA von Essiglösungen ab, weil sie den pH-Wert verändern und zusätzliches Nährsubstrat aufbringen können.
  • Befallene Tapeten anfeuchten und entfernen, feucht wischen statt fegen.
  • Schutz: Kunststoffhandschuhe, einfacher Atemschutz, bei Arbeiten über Kopf eine Schutzbrille; befallenes Material in reißfesten Säcken mit dem Hausmüll entsorgen.

Zu Bioziden ist der Leitfaden zurückhaltend: In Wohnräumen sei eine Biozidbehandlung grundsätzlich nicht notwendig, und sie entfernt den Befall nicht. Unter praxisnahen Bedingungen zeigten Studien meist keine oder keine nachhaltige Wirkung. Zum Stand April 2024 war laut UBA kein Biozid für Schimmelbefall auf Baumaterialien im Innenraum zugelassen; eine Registriernummer (N-xxxxx) ist nur eine Meldung. Die Merkblätter der Hersteller nennen dagegen Schimmelentferner (Schöner Wohnen, Alpina) beziehungsweise Capatox und FungiGrund (Caparol) als Vorbehandlung; wer sie verwendet, hält sich an Etikett und Merkblatt.

Eine staatliche Zulassung für Schimmelsanierungsfirmen gibt es laut UBA nicht, auch keinen Ausbildungsberuf, der das nötige Wissen umfassend vermittelt. Qualitätskriterien für die Auswahl veröffentlicht das Umweltbundesamt auf seiner Themenseite zu Schimmel. Bis eine große Sanierung beginnt, empfiehlt der Leitfaden Sofortmaßnahmen: befallene Bereiche abschotten, verstärkt lüften, befallene Möbel separieren. Kehrt der Schimmel trotz richtigem Lüften und Heizen zurück, kann die Ursache im Bauteil liegen; das klärt eine Fachperson, eine neue Farbschicht ändert daran nichts.

Was in einer Anti-Schimmel-Farbe steckt: Filmschutz, behandelte Ware, Wirkdauer

Viele Dispersionsfarben enthalten ein Topfkonservierungsmittel, das den Eimerinhalt haltbar macht. Eine Anti-Schimmel-Farbe enthält zusätzlich Filmkonservierer: Wirkstoffe, die in der getrockneten Schicht an der Wand über längere Zeit gegen Pilze wirken sollen. Die Vergabekriterien des Blauen Engels verweisen dafür auf die Produktarten 6 und 7 der Biozid-Verordnung (EU) Nr. 528/2012, also Schutzmittel für Produkte während der Lagerung und Beschichtungsschutzmittel. Rechtlich ist eine solche Farbe eine „behandelte Ware“, kein Biozidprodukt, so steht es in den Merkblättern von Caparol und Alpina. Die bioziden Wirkstoffe sind in den hier verglichenen Produkten 3-Iod-2-propinylbutylcarbamat (IPBC) und Octhilinon (OIT), bei Schöner Wohnen zusätzlich Zinkpyrithion.

Was dieser Filmschutz leistet, beschreibt Caparol in der Technischen Information 800 zu Indeko-W selbst: Das Wirkstoffdepot biete einen lang anhaltenden, jedoch zeitlich begrenzten Schutz, dessen Wirksamkeitsdauer von den Objektbedingungen abhängt, etwa der Feuchtebelastung und dem Infektionsdruck. Ein dauerhaftes Verhindern von Schimmelbefall sei durch Anstriche allein nicht in jedem Fall gewährleistet; fast wortgleich steht das in der TI zu Fungitex-W. Außerdem wichtig:

  • Die Schichtdicke zählt: Sie beeinflusst laut Caparol maßgeblich die Filmschutzeigenschaften. Deshalb immer satt in zwei Arbeitsgängen streichen, mindestens 150 ml/m² je Arbeitsgang bei Indeko-W; die Verbrauchswerte dürfen nicht unterschritten werden.
  • Späteres Überstreichen: Indeko-W lässt sich mit Dispersions- und Polymerisatharzfarben sowie Putzen überarbeiten, nicht aber mit Öl- und Alkydharzfarben, weil der Wirkstoff deren Trocknung verhindert.

Geprüft wird die Wirksamkeit von Filmkonservierern im Labor, zum Beispiel nach DIN EN 15457:2022-05, einem Laborverfahren zur Prüfung von Filmkonservierungsmitteln in einer Beschichtung gegen Pilze. Das UBA hält fest, dass die Wirksamkeit von Bioziden meist an definierten, aber praxisfernen Systemen getestet wird. Seine Empfehlung im Leitfaden ist deutlich: Eine Biozidbehandlung ist insbesondere nicht sinnvoll als Zusatz von Wandbeschichtungen nach einer Trocknung, also als schimmelhemmende Wandfarbe; das gilt nicht für Räume der Nutzungsklasse III.

Zur Nutzungsklasse III zählt das UBA Kellerräume in Mehrfamilienhäusern, die separat über Hof oder Treppenhaus erreichbar sind, nie aus der Wohnung heraus, außerdem Garagen, nicht ausgebaute Dachböden mit Zugang außerhalb der Wohnung und Treppenhäuser in Mehrfamilienhäusern. Alle Räume innerhalb der Wohnung, auch Abstellräume, gehören zur Nutzungsklasse II.

Hinzu kommt die Raumluft: Die Merkblätter zu Indeko-W und zur Alpina-Farbe tragen den Hinweis „Kann allergische Reaktionen hervorrufen“, das von Schöner Wohnen den Gefahrenhinweis H317. Öko-Test hat für die Ausgabe 3/2025 18 weiße Anti-Schimmel- und Feuchtraumfarben untersucht: Zinkpyrithion fand sich in zwölf Produkten, Isothiazolinone in allen; laut Öko-Test ist Zinkpyrithion als fortpflanzungsgefährdend eingestuft. Die Einzelnoten stehen hinter einer Bezahlschranke.

Außenecke eines Altbau-Schlafzimmers mit großflächigem dunkelgrauem Schimmel an beiden Wänden bis zur Fußleiste, daneben ein von der Wand abgerückter Holzschrank, rechts Fenster mit Heizkörper und Fischgrätparkett
Illustration: Außenecke hinter einem Schrank, der typische Ort für Schimmel an kalten Außenwänden. Ein Befall dieser Ausdehnung gehört laut UBA in die Hand einer Fachfirma, und keine Anti-Schimmel-Farbe macht die Ecke wärmer oder die Luft trockener.

Anti-Schimmel-Farben im Vergleich: Werte aus den Technischen Informationen

Vier Produkte, die ausdrücklich mit Schimmelschutz verkauft werden. Die Einsatzbereiche stammen aus Caparols Technischer Information 606: innen 2 umfasst Räume mit gelegentlich erhöhter Luftfeuchte wie private Bäder, innen 3 Räume mit dauerhaft erhöhter Luftfeuchte und gelegentlichem Spritzwasser.

ProduktGlanzgradNassabriebDeckvermögenVerbrauch je AnstrichFilmschutz-WirkstoffeBesonderheiten
Schöner Wohnen Küchen- und Badfarbe (weiß)stumpfmattKlasse 2Klasse 2 bei 7 m²/lca. 130 bis 170 ml/m²OIT, IPBC, Zinkpyrithionnach ca. 6 h überstreichbar; farbige Variante laut Farbtonkarte
Caparol Indeko-WG4 stumpfmattKlasse 2Klasse 2 bei 6 m²/lmind. 150 ml/m²IPBC, OITsd-Wert unter 0,1 m; innen 1 und 2 geeignet, innen 3 nicht; abtönbar bis Hellbezugswert ca. 70
Caparol Fungitex-WG2b seidenmatt (Latexfarbe)Klasse 1Klasse 2 bei 7 m²/lca. 140 ml/m²IPBC, OITsd-Wert unter 0,3 m; innen 1 bis 3 geeignet; beständig gegen wässrige Desinfektionsmittel; 12,5 l
Alpina Bad- und KüchenfarbemattKlasse 3Klasse 2 bei 7 m²/lca. 145 ml/m²IPBC, OITMerkblatt Stand August 2023; 1 und 5 l; durchgetrocknet nach ca. 1 Tag

Erstens ist „für Bad und Küche“ keine Aussage über die Abriebfestigkeit: Die Alpina Bad- und Küchenfarbe liegt laut Technischer Information 2043 in Nassabriebklasse 3 (früher „waschbeständig“), die Caparol Fungitex-W in Klasse 1. Wer häufig feucht wischt, braucht Klasse 1 oder 2; die Klassen erklärt der Ratgeber zur abwaschbaren Wandfarbe. Zweitens sind alle vier Dispersionsfarben; für Kunstharz-Dispersionsanstriche nennt das UBA beispielhaft einen pH-Wert von etwa 8. Ihr Schimmelschutz kommt also aus dem Wirkstoffdepot, nicht aus der Alkalität.

Wer eine seidenmatte, desinfektionsbeständige Oberfläche für Bad und Küche sucht, findet im Ratgeber Latexfarbe innen den Vergleich mit Latexfarben ohne Filmschutz, von denen Caparol zwei auch für innen 3 als geeignet ausweist.

Schöner Wohnen Küchen- und Badfarbe: was im Merkblatt steht

Für Bad und Küche bietet Schöner Wohnen die Küchen- und Badfarbe an. Das Technische Merkblatt 2478 der Küchen- und Badfarbe weiß (Stand April 2026; Hersteller J. D. Flügger, ein Unternehmen der Brillux-Gruppe) beschreibt sie als filmschützende Innenwandfarbe für Neu- und Renovierungsanstriche auf schimmel- und pilzgefährdeten Untergründen, darunter Raufaser- und Prägetapeten, alte Dispersionsanstriche, Gipskarton, Mauerwerk, Putz und Beton.

  • Bindemittel: Styrol-Acrylat-Copolymer-Dispersion; höchstens 1 g/l VOC bei einem EU-Grenzwert von 30 g/l.
  • Verarbeitung: bis 10 % mit Wasser verdünnen, nicht unter +5 °C; die weiße Variante mit bis zu 10 % Voll- und Abtönfarbe abtönbar, die farbige laut Farbtonkarte.
  • Untergrund: Schimmelbelag abwaschen und mit Schimmelentferner nach Anweisung behandeln; Neuputze mindestens 4 Wochen trocknen lassen.
  • Kennzeichnung: „behandelte Ware“ nach EU-Verordnung 528/2012 mit den bioziden Wirkstoffen OIT, IPBC und Zinkpyrithion; Gefahrenhinweise H317 (kann allergische Hautreaktionen verursachen) und H412 (schädlich für Wasserorganismen).

Ein Detail für Allergiker: Bei den Inhaltsstoffen nennt das Merkblatt Natriumpyrithion und Benzisothiazolinon, unter „Weitere Hinweise“ dagegen OIT, IPBC und Zinkpyrithion als biozide Wirkstoffe. Wer auf einen Stoff reagiert, klärt das vorher über Sicherheitsdatenblatt oder Allergiker-Hotline. Die Innenfarben-Sortimente beider Marken vergleicht der Ratgeber Alpina gegen Schöner Wohnen.

Die mineralische Alternative: Silikat- und Kalkfarbe

Schimmelpilze wachsen in einem breiten pH-Bereich, viele Arten gut zwischen pH 3 und 9; oberhalb von pH 11 wachsen sie laut UBA so gut wie nicht mehr. Deshalb können Silikatfarben, Kalkanstriche und andere mineralische Anstriche mit pH-Wert über 11 laut Leitfaden erneutem Befall ohne Biozid vorbeugen. Das UBA nennt auch die Grenzen:

  • Die Wirkung hält nicht dauerhaft an. Kohlendioxid aus der Luft senkt den pH-Wert mit der Zeit (Karbonatisierung), und auf einer Staubschicht kann sich wieder Schimmel bilden. Kalkanstriche müssen bei starkem Feuchteanfall, etwa im Keller, regelmäßig erneuert werden.
  • Kalk ist empfindlich: Reine Kalkanstriche sind oft nicht wisch- und abriebfest. Besser sind laut UBA Silikatfarben, die durch ihren hohen pH-Wert ebenfalls erneutes Schimmelwachstum unterbinden können.
  • Der Untergrund muss für die Farbe geeignet sein.

Brillux beschreibt die Dispersions-Silikatfarbe Profisil 1906 im Praxismerkblatt (Stand Januar 2026) als konservierungsmittelfrei und schimmelpilzwidrig, mit pH-Wert ca. 11, Nassabrieb Klasse 2, Deckvermögen Klasse 1 bei 7 m²/l und sd-Wert unter 0,03 m; auch abgetönt erfüllt sie laut Merkblatt die Kriterien des Blauen Engels. Auf Gipsputz, Gipskarton und matten Dispersionsanstrichen braucht sie laut Produktseite einen Grundanstrich zur Haftvermittlung. Caparol begründet bei der Sylitol Bio-Innenfarbe, ebenfalls einer konservierungsmittelfreien Dispersions-Silikatfarbe (Nassabrieb und Deckvermögen Klasse 2, ca. 140 ml/m²), den Schutz vor Schimmelbefall mit natürlicher Alkalität und hoher Wasserdampfdurchlässigkeit.

Verarbeitung und Kosten erklärt der Ratgeber Silikatfarbe innen, die Brillux-Produkte der Artikel zur Brillux Silikatfarbe für innen. Beim Blauen Engel ist die Linie klar: Die Vergabekriterien DE-UZ 102 für Wandfarben schließen Farben aus, die mit einer Funktion wie Anti-Schimmel werben, Filmkonservierungsmittel waren dort nie zulässig, und seit der Ausgabe Januar 2019 sind auch Topfkonservierer nicht mehr erlaubt. Eine Anti-Schimmel-Farbe mit Blauem Engel gibt es nach diesen Kriterien also nicht.

Welche Wandfarbe für welchen Raum?

Aus Leitfaden und Merkblättern ergibt sich folgende Zuordnung, immer vorausgesetzt, die Ursache ist beseitigt und die Wand trocken:

RaumNutzungsklasse (UBA)Sinnvolle Wahl
Wohn-, Schlaf- und KinderzimmerIISilikatfarbe oder eine konservierungsmittelfreie Farbe mit Blauem Engel; keine Biozidfarbe
Bad mit Fenster, KücheIISilikatfarbe, oder abwischbare Farbe der Nassabriebklasse 1 bis 2 außerhalb des Spritzwassers; Lüften bleibt entscheidend
Innenliegendes Bad, HauswirtschaftsraumIIzuerst funktionierende Abluft; dann wie Bad mit Fenster
Keller mit separatem Zugang, Garage, Treppenhaus im MehrfamilienhausIIIstark alkalischer Anstrich (Silikat, Kalk) oder Anti-Schimmel-Farbe; Kalk regelmäßig erneuern

Farbtöne und Spezialfragen der einzelnen Räume behandeln die Ratgeber Badezimmer streichen, Küche streichen und Keller streichen. Um Konservierungsmittel in der Raumluft geht es im Ratgeber Kinderzimmer sicher streichen.

Richtig streichen nach der Sanierung

  1. Untergrund prüfen: trocken, sauber und tragfähig (Caparol verweist auf VOB Teil C, ATV DIN 18363); Leimfarben abwaschen, nicht tragfähige Anstriche entfernen.
  2. Grundieren, wo nötig: stark saugende Flächen wie Gipsputz und Gipskarton mit Tiefgrund; für Silikatfarbe auf altem Dispersionsanstrich die Haftgrundierung des Herstellers.
  3. Zwei satte Anstriche: Bei Filmschutzfarben ist der Mindestverbrauch Teil der Wirkung (Indeko-W: mindestens 150 ml/m² je Arbeitsgang, höchstens 5 % Wasser).
  4. Temperatur: nicht unter +5 °C für Luft und Untergrund, bei Verarbeitung und Trocknung.
  5. Trockenzeit: Indeko-W ist nach 4 bis 6 Stunden überstreichbar und nach etwa 3 Tagen belastbar; Räume mit Lebensmitteln vor der Weiterbenutzung mindestens 3 Tage lüften (Caparol).

Rechenbeispiel Bad (unsere Rechnung): 2,20 m mal 1,80 m Grundfläche, 2,50 m hoch, Wände bis 1,20 m gefliest. Oberhalb der Fliesen bleiben 8 m Umfang mal 1,30 m, also 10,4 m², abzüglich Tür- und Fensteranteil rund 9 m², dazu knapp 4 m² Decke: zusammen etwa 13 m². Zwei Anstriche mit 150 ml/m² ergeben knapp 4 Liter, also zwei 2,5-Liter-Gebinde Indeko-W; mit der Schöner-Wohnen-Farbe (130 bis 170 ml/m²) sind es 3,4 bis 4,4 Liter. Auf rauen Flächen wie Raufaser liegt der Verbrauch höher, die Hersteller raten zur Probefläche. Die Streichtechnik erklärt unser Ratgeber Innenräume streichen; geflieste Flächen behandelt der Ratgeber Fliesen überstreichen.

Bad, Küche oder Schlafzimmer neu streichen?

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Häufige Fragen

Welche Wandfarbe hilft bei Schimmel?
Keine Wandfarbe beseitigt Schimmel. Zuerst müssen Ursache (Feuchte, Lüftung, Wärmebrücke) und Befall beseitigt werden. Danach empfiehlt das Umweltbundesamt für Wohnräume mineralische Anstriche mit einem pH-Wert über 11, vor allem Silikatfarben. Schimmelhemmende Wandfarben mit Bioziden hält es nur in Nebenräumen außerhalb der Wohnung für sinnvoll, etwa im Keller mit separatem Zugang.
Wie lange wirkt Anti-Schimmel-Farbe?
Nur zeitlich begrenzt. Caparol schreibt in den Merkblättern zu Indeko-W und Fungitex-W, dass das Wirkstoffdepot einen lang anhaltenden, jedoch zeitlich begrenzten Schutz bietet, dessen Dauer von Feuchtebelastung und Infektionsdruck abhängt. Eine feste Jahreszahl nennt der Hersteller nicht.
Kann man Schimmel einfach überstreichen?
Nein. Caparol, Alpina und Schöner Wohnen verlangen in ihren Merkblättern, den Schimmel vor dem Anstrich zu entfernen, und die Ursache muss geklärt sein. Kleine, oberflächliche Flächen unter etwa 0,5 m² mit bekannter Ursache können laut Umweltbundesamt oft selbst gereinigt werden, zum Beispiel mit 70- bis 80-prozentigem Alkohol, nicht mit Essig.
Ist die Schöner Wohnen Küchen- und Badfarbe eine Anti-Schimmel-Farbe?
Ja. Laut Technischem Merkblatt 2478 ist sie eine filmschützende Dispersionsfarbe für schimmelgefährdete Untergründe und eine behandelte Ware nach EU-Verordnung 528/2012 mit den bioziden Wirkstoffen OIT, IPBC und Zinkpyrithion. Sie ist stumpfmatt und erreicht Nassabrieb- und Deckvermögensklasse 2 nach EN 13300.
Ist Silikatfarbe besser als Anti-Schimmel-Farbe?
Für Wohnräume nennt das Umweltbundesamt mineralische Anstriche mit hohem pH-Wert als Alternative ohne Biozid; Silikatfarben seien besser als reine Kalkanstriche, weil diese oft nicht wisch- und abriebfest sind. Auch diese Wirkung hält nicht dauerhaft an, und der Untergrund muss für Silikatfarbe geeignet sein.
Gibt es Anti-Schimmel-Farbe mit Blauem Engel?
Nein. Die Vergabekriterien DE-UZ 102 schließen Wandfarben aus, die mit einer Funktion wie Anti-Schimmel werben. Filmkonservierungsmittel waren dort nie zulässig, und seit der Ausgabe von 2019 sind auch Topfkonservierungsmittel nicht mehr erlaubt.
Ab wann muss bei Schimmel eine Fachfirma kommen?
Laut Umweltbundesamt bei Befall über etwa 0,5 m², wenn der Schimmel tiefer ins Material eingedrungen ist und Putz entfernt werden muss, wenn die Ursache unklar ist oder wenn im Haushalt Menschen mit Schimmelallergie oder geschwächtem Immunsystem leben.

Erwähnte Markennamen (Sherwin-Williams, Benjamin Moore, Behr, Caparol, Brillux, Sto, Alpina, Valspar, PPG, Glidden, Dulux, Crown, Sandtex, Farrow & Ball, Johnstone's, Leyland) sind Eigentum der jeweiligen Inhaber. FacadeColorizer ist unabhängig und mit keiner dieser Marken affiliiert. Nominative fair use gemäß Lanham Act §1125.

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