Helle Küche mit hellgrau seidenglänzend gestrichener Wand, weißen Schrankfronten, Holztisch mit Stühlen, Farbeimer, Rolle und Abdeckfolie auf dem Boden
Innenraumgestaltung

Latexfarbe innen: was wirklich im Eimer ist, was Nassabrieb, Glanzgrad und sd-Wert bedeuten und wo sie an die Wand gehört

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Latexfarbe ist heute eine Kunststoff-Dispersionsfarbe ohne Naturlatex. Was Merkblätter zu Nassabrieb, Glanz und sd-Wert sagen und wo sie hingehört.
5 Min. Lesezeit

Latexfarbe ist heute keine Farbe aus Naturkautschuk, sondern eine Kunststoff-Dispersionsfarbe für innen, deren Film dichter, glatter und leicht glänzend auftrocknet. Die Merkblätter sind eindeutig: Caparol nennt als Materialbasis seiner Latexfarben „Kunststoff-Dispersionsfarbe“ und als Bindemittel Polyvinylacetatharz, Alpina deklariert für seine Seidenlatex eine Polyvinylacetat-Dispersion. Typisch sind Nassabriebklasse 1 nach DIN EN 13300, ein mittlerer Glanzgrad (seidenmatt bis seidenglänzend) und ein sd-Wert unter 0,2 bis 0,3 m. Die Wand lässt sich feucht abwischen und gilt nach DIN 4108-3 trotzdem noch als diffusionsoffen. Sinnvoll ist Latexfarbe in Flur, Treppenhaus, Küche und Bad außerhalb des Spritzwassers; keine Lösung ist sie für feuchte oder verschimmelte Wände, und wer nur abwischbar ohne Glanz will, nimmt eine matte Farbe der Nassabriebklasse 1.

Alle Produktwerte stammen aus den Technischen Informationen von Caparol und Alpina, abgerufen am 27.10.2026.

Erst den Farbton sehen, dann die Oberfläche wählen

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Was ist Latexfarbe? Der Name und was tatsächlich im Eimer ist

Der Name erinnert an den Milchsaft des Kautschukbaums, doch in den Deklarationen heutiger Latexfarben taucht Naturkautschuk nicht auf. Vier Produkte, die ausdrücklich als Latexfarbe verkauft werden (Caparol TI 322, TI 324, TI 327, Alpina TI 34522):

ProduktMaterialbasis laut HerstellerDeklarierte Inhaltsstoffe
Caparol Latex Samt 10Kunststoff-DispersionsfarbePolyvinylacetatharz, Titandioxid, Silikate, Calciumcarbonat, Wasser, Additive, Konservierungsmittel
Caparol Latex Satin 20Kunststoff-DispersionsfarbePolyvinylacetatharz, Calciumcarbonat, Titandioxid, Silikate, Wasser, Additive, Konservierungsmittel
Caparol SeidenLatexKunststoff-DispersionsfarbePolyvinylacetatharz, Titandioxid, Silikate, Calciumcarbonat, Wasser, Additive, Konservierungsmittel
Alpina COLOR SeidenlatexBindemittel „Kunststoff-Latex nach DIN 55945“Polyvinylacetat-Dispersion, Titandioxid, Silikate, Calciumcarbonat, Wasser, Additive, Konservierungsmittel

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„Latex“ meint hier also ein synthetisches Polymer, fein verteilt in Wasser. Chemisch gehört Latexfarbe damit zur selben Familie wie die gewöhnliche Dispersionsfarbe. Der Unterschied liegt in der Rezeptur: Mehr Bindemittel im Verhältnis zu Pigment und Füllstoff ergibt einen geschlosseneren, glatteren Film, der Wasser und milde Reiniger abweist und je nach Einstellung seidenmatt oder seidenglänzend auftrocknet.

Wie wenig der Name über die Oberfläche verrät, zeigt ein älteres Beispiel: Baulinks berichtete 2004 über die Brillux-Innendispersion „Super Latex ELF 3000“, die stumpfmatt war und in Nassabriebklasse 2 lag. Entscheidend sind deshalb die Kennzahlen auf dem Eimer, nicht das Wort „Latex“.

Für Menschen mit Latexallergie heißt das: Diese Deklarationen nennen keinen Naturlatex. Allergologisch relevant sind eher die Konservierungsmittel (siehe Abschnitt Raumluft).

Die Kennzahlen nach DIN EN 13300: Nassabrieb, Deckvermögen, Glanzgrad

Seit Februar 2023 gilt die DIN EN 13300:2023-02, die deutsche Fassung der EN 13300:2022. Sie hat die Ausgabe von 2002 ersetzt. Die Grenzwerte laut dem Dinova-Ratgeber zur DIN EN 13300:

KennzahlKlasseGrenzwert
NassabriebKlasse 1höchstens 5 µm Schichtabtrag nach 200 Scheuerzyklen
NassabriebKlasse 2mehr als 5 bis 20 µm nach 200 Zyklen (früher „scheuerbeständig“ nach DIN 53778)
NassabriebKlasse 3mehr als 20 bis 70 µm nach 200 Zyklen (früher „waschbeständig“)
NassabriebKlasse 4 und 5bis 70 µm bzw. mehr als 70 µm nach nur 40 Zyklen
DeckvermögenKlasse 1 bis 4Kontrastverhältnis mindestens 99,5 %, 98 %, 95 % bzw. unter 95 %, immer bezogen auf eine angegebene Ergiebigkeit in m²/l
GlanzgradG1 glänzendmindestens 60 bei 60° Messwinkel
GlanzgradG2 mittlerer GlanzG2a: unter 60 bei 60°; G2b: mindestens 10 bei 85°
GlanzgradG3 mattunter 10 bei 85°
GlanzgradG4 stumpfmattunter 5 bei 85°

Brillux beschreibt auf seiner Seite zur Norm EN 13300 den mittleren Glanz G2 mit den Unterklassen G2a und G2b, die im Handel „seidenglänzend“ oder „seidenmatt“ heißen; genau dort liegen Latexfarben. Neu seit 2023 ist das Kriterium Reinigungsfähigkeit (ohne Klassen), und eine Beschichtung ab Nassabriebklasse 3 darf nach Brillux nicht als reinigungsfähig deklariert werden.

Wer eine wirklich abwischbare Wand will, braucht also Klasse 1 oder 2. Das muss keine Latexfarbe sein: Auch stumpfmatte Premium-Dispersionen erreichen Klasse 1, wie unser Ratgeber zur abwaschbaren Wandfarbe mit Produkten und Merkblattwerten zeigt.

Latexfarben im Vergleich: Werte aus den Technischen Informationen

Alle Werte aus den Merkblättern; „nicht angegeben“ heißt, dass der Hersteller den Wert dort nicht nennt. Die Eignung bezieht sich auf die Einsatzbereiche innen 1 bis 3 aus Caparols Technischer Information 606 (mehr dazu weiter unten).

ProduktGlanzgradNassabriebDeckvermögensd-WertVerbrauch je AnstrichTrocknung (20 °C, 65 % r. F.)Eignung innen 1 / 2 / 3
Caparol Latex Samt 10G2b seidenmattKlasse 1Klasse 2 bei 7 m²/lunter 0,2 mca. 140 ml/m²überstreichbar nach 4 bis 6 h, belastbar nach ca. 3 Tagengeeignet / geeignet / geeignet
Caparol Latex Satin 20G2a seidenglänzendKlasse 1Klasse 2 bei 7 m²/lunter 0,3 mca. 140 ml/m²überstreichbar nach 4 bis 6 h, belastbar nach ca. 3 Tagengeeignet / geeignet / geeignet
Caparol SeidenLatexG2b seidenglänzendKlasse 1Klasse 2 bei 7 m²/lunter 0,3 mca. 140 ml/m²überstreichbar nach 4 bis 6 h, belastbar nach ca. 3 Tagengeeignet / geeignet / bedingt
Alpina COLOR SeidenlatexseidenglänzendKlasse 1nicht angegebennicht angegeben („diffusionsfähig“)ca. 110 ml/m²oberflächentrocken nach 4 bis 6 h, überstreichbar nach 12 h, belastbar nach ca. 3 Tagennicht angegeben

Alle vier erreichen Nassabriebklasse 1; beim Deckvermögen nennt Caparol Klasse 2 bei 7 m²/l, auf kontrastreichen Flächen ist deshalb ein Grundanstrich vorgeschrieben. Der Unterschied ist die Oberfläche: Latex Samt 10 empfiehlt Caparol für Raufaser-, Relief- und Prägetapeten, die SeidenLatex soll Strukturen mit ihrem Glanz betonen. Die drei Caparol-Produkte sind laut Merkblatt beständig gegen wässrige Desinfektions- und Haushaltsreiniger (Phenol-Desinfektionsmittel können vergilben) und für Lebensmittelbereiche geeignet.

Latex Samt 10 und Latex Satin 20 gibt es als Standardware nur im 12,5-Liter-Eimer, die SeidenLatex auch in 2,5 und 5 Litern, getönt über ColorExpress im Fachhandel; Alpina mischt seine Seidenlatex im Baumarkt in Gebinden bis 10 Liter. Für stärkere Beanspruchung nennt Caparol eine zweifache Versiegelung mit Disbopur 458 PU-AquaSiegel. Einen breiteren Marktvergleich matter und seidiger Innenfarben bietet unser Vergleich der Innenwandfarben nach Marken.

Wie diffusionsoffen ist Latexfarbe? Der sd-Wert erklärt

Ob Latexfarbe „dicht“ ist, zeigt der sd-Wert, die wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke: Diffusionswiderstandszahl mal Schichtdicke, bei mehreren Schichten addiert (Baunetz Wissen, sd-Wert). Nach DIN 4108-3 gilt eine Schicht mit einem sd-Wert von höchstens 0,5 m als diffusionsoffen, ab 1500 m als diffusionsdicht.

Caparol gibt für Latex Samt 10 unter 0,2 m an, für Latex Satin 20 und SeidenLatex unter 0,3 m; Alpina schreibt „diffusionsfähig“ ohne Zahl. Gemessen an der Grenze der DIN 4108-3 ist eine frische Latexschicht also nicht dicht, sondern diffusionsoffen. Was sich addiert, sind die Schichten: Jeder weitere Anstrich und jede überstrichene Tapetenlage erhöht den sd-Wert des Wandaufbaus.

Noch wichtiger ist eine Klarstellung des Umweltbundesamts im Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden: Wände „atmen“ nicht. Über intakte Wände findet kein Luftaustausch statt, und die durch Diffusion transportierte Feuchte ist gegenüber dem Lüften vernachlässigbar; die Dampfdichtheit des Wandaufbaus hat nur minimalen Einfluss auf die Raumluftfeuchte. Eine Rolle spielt der Anstrich bei der Feuchtepufferung: Wie stark eine Wand Feuchtespitzen beim Kochen oder Duschen aufnimmt und wieder abgibt, hängt laut Leitfaden auch von der Art des Anstrichs ab, diffusionsoffen oder versiegelnd. Eine Latexfarbe ist also nicht der Grund, wenn ein Bad zu feucht ist; sie nimmt der Wand aber einen Teil der Pufferwirkung, die ein offener mineralischer Anstrich hätte.

Schimmel und Latexfarbe: wann das Risiko real ist

Latexfarbe verursacht keinen Schimmel, sie verhindert ihn aber auch nicht. Drei Situationen, in denen sie die falsche Wahl ist:

  • Die Wand ist noch feucht. Caparol verlangt in allen drei Merkblättern trockene Untergründe, Alpina für Neuputze mindestens drei bis vier Wochen Trocknung. Der UBA-Leitfaden beschreibt, dass dampfdichte Oberflächenbeläge die Diffusion von Baufeuchte aus dem Bauteil behindern können und das Risiko mikrobiellen Wachstums mit der Dauer der Feuchte steigt. Eine Latexschicht ist zwar nicht dampfdicht, aber jede zusätzliche Schicht bremst. Nach einem Wasserschaden oder auf frischem Putz gilt deshalb: erst trocknen lassen, dann streichen.
  • Es gibt bereits Schimmel. Überstreichen ist keine Sanierung. Alpina lässt befallene Flächen laut Merkblatt nass abbürsten oder abschaben, mit Schimmelreiniger behandeln, trocknen und die Ursache klären; für den neuen Anstrich nennt Alpina dort eine Bad- und Küchen-Spezialfarbe, nicht die Latexfarbe.
  • Der Raum ist dauerhaft feucht. Schimmelpilze wachsen laut UBA in einem breiten pH-Bereich, oberhalb von pH 11 aber so gut wie nicht mehr. Kunstharz-Dispersionsanstriche liegen nach dem Leitfaden bei etwa pH 8, Latexfarben eingeschlossen. Mineralische Anstriche mit pH über 11 können erneutem Befall vorbeugen, vor allem in Räumen der Nutzungsklasse III wie dauerhaft feuchten Kellern; weil reine Kalkanstriche oft nicht wisch- und abriebfest sind, nennt das UBA Silikatfarben als die bessere Wahl.

Für Untergeschosse hilft der Ratgeber Keller streichen; was eine mineralische Wandfarbe innen leistet und wo ihre Grenzen liegen, erklärt der Artikel zur Brillux Silikatfarbe für innen. Eine Farbe allein ersetzt weder Lüften noch Heizen noch die Beseitigung einer Wärmebrücke. Was Anti-Schimmel-Farben mit Filmschutz leisten, warum ihr Wirkstoffdepot laut Merkblatt nur zeitlich begrenzt schützt und für welche Räume das UBA sie gelten lässt, zeigt der Ratgeber Wandfarbe bei Schimmel.

Altbauflur mit hellgrauer Wand, deren linke Hälfte matt und deren rechte Hälfte seidenglänzend gestrichen ist; das Fensterlicht spiegelt sich nur rechts. Davor Farbeimer und Farbwanne mit Rolle auf Abdeckfolie über Fischgrätparkett
Illustration: dieselbe Wand, links stumpfmatt, rechts seidenglänzend wie viele Latexfarben. Im Streiflicht vom Fenster spiegelt nur die glänzende Hälfte, und genau dort würden Spachtelstellen und Ansätze sichtbar.

Wo Latexfarbe hingehört: Küche, Bad, Flur, Treppenhaus

Caparol ordnet Innenflächen in der Technischen Information 606 nach klimatischer Belastung ein:

  • innen 1: beheizte Innenräume mit vorwiegend konstanten Temperaturen und wohnraumüblichem Klima, also Wohnungen, Büros, Schulen.
  • innen 2: gelegentlich erhöhte Luftfeuchtigkeit ohne regelmäßiges Tauwasser, ausdrücklich auch private Bäder und Hauswirtschaftsräume sowie nicht spritzwasserbelastete Flächen in Küche oder Bad.
  • innen 3: Räume mit dauerhaft erhöhter Luftfeuchtigkeit und gelegentlichem Spritzwasser, etwa Großküchen und Waschräume.

Latex Samt 10 und Latex Satin 20 weist Caparol für alle drei Bereiche als geeignet aus, die SeidenLatex für innen 3 nur als bedingt geeignet. Für die Räume einer Wohnung heißt das:

  • Küche: Fettspritzer, Dampf und häufiges Abwischen sind das klassische Einsatzgebiet; direkt hinter Herd und Spüle bleiben Fliese oder Glas robuster. Farbideen im Ratgeber Küche streichen.
  • Bad: Wände außerhalb der Dusche und Decke; die Duschwand mit ständigem Spritzwasser ist kein Fall für Wandfarbe, und Lüften bleibt entscheidend. Mehr im Ratgeber Badezimmer streichen.
  • Flur und Diele: Taschen, Kinderwagen und Staubsauger streifen die Sockelzone; ein seidenmattes Latex ist der Kompromiss aus Robustheit und ruhiger Optik, Farbtöne im Ratgeber Flur streichen.
  • Treppenhaus: lange Flächen mit viel Kontakt. Ausbesserungen zeichnen sich laut Caparol nach BFS-Merkblatt Nr. 25 unvermeidbar ab, also beim Nachbessern die ganze Wand von Ecke zu Ecke streichen. Mehr im Ratgeber Treppenhaus streichen.
  • Kinderzimmer: hier stehen Raumluft und Konservierungsmittel im Vordergrund, eine konservierungsmittelfreie Farbe mit Blauem Engel ist oft die bessere Wahl; siehe Kinderzimmer sicher streichen.
  • Weniger geeignet: Wohn- und Schlafzimmer mit Streiflicht über große, glatte Flächen: Seidenglanz zeigt Spachtelstellen, die eine stumpfmatte Farbe schluckt.

Latexfarbe oder matte Dispersionsfarbe der Klasse 1?

Da es inzwischen auch matte Innenfarben in Nassabriebklasse 1 gibt, ist Latex nicht automatisch die Antwort auf „abwaschbar“. Die Entscheidung hängt an Optik, Untergrund und Pflege:

KriteriumLatexfarbe (seidenmatt bis seidenglänzend)Matte Dispersionsfarbe, Klasse 1
Optikleichter bis deutlicher Glanz, betont Strukturenstumpf und ruhig
Unebenheiten im Streiflichtgut sichtbarkaum sichtbar
Abwischen und ReinigerKlasse 1; bei Caparol zusätzlich desinfektionsmittelbeständig laut MerkblattKlasse 1; Beständigkeit gegen Desinfektionsmittel je nach Produkt im Merkblatt prüfen
pH-Wert und Schimmelwie alle Kunstharz-Dispersionsanstriche etwa pH 8 (UBA), kein Schutz durch hohen pH-Wertebenfalls etwa pH 8, kein Schutz durch hohen pH-Wert
Ausbessernzeichnet sich ab, im Glanz besonders deutlichzeichnet sich ebenfalls ab (BFS-Merkblatt Nr. 25), aber weniger auffällig
Späteres Überstreichenglänzende Fläche vorher anrauen (Caparol, Alpina)matte, schwach saugende Beschichtung direkt überarbeiten (Caparol)

Faustregel: Latexfarbe dort, wo Feuchte, Fett oder Desinfektion dazukommen oder der Seidenglanz gewünscht ist; eine matte Klasse-1-Farbe dort, wo vor allem Fingerabdrücke und Schuhabrieb das Problem sind und die Wand ruhig wirken soll.

Latexfarbe streichen: Schritt für Schritt nach Merkblatt

  1. Untergrund prüfen: sauber, trocken und tragfähig; Caparol verweist auf VOB Teil C, ATV DIN 18363, Abschnitt 3.
  2. Grundieren, wo nötig: sandende oder stark saugende Putze und Gipskarton mit Tiefgrund (Caparol OptiSilan TiefGrund, Alpina Tiefgrund LF); ungestrichene Raufaser laut Alpina ohne Vorbehandlung.
  3. Immer zwei Anstriche: Caparol schreibt einen Grund- und einen Schlussanstrich vor; der Grundanstrich auf kontrastreichen Flächen wird mit höchstens 10 % Wasser verdünnt (Latex Satin 20: 5 %). Alpina: Deckanstrich höchstens 5 %, Grundanstrich höchstens 10 %.
  4. Intensive Farbtöne: Caparol empfiehlt einen zusätzlichen Grundanstrich mit Haftgrund EG im passenden Grundiersystemfarbton.
  5. Auftragen: satt und gleichmäßig, in eine Richtung nachrollen, Beschneidebereiche nass in nass und die Fläche in einem Zug streichen; bei Seidenglanz zeigt sich jeder Ansatz.
  6. Temperatur: mindestens +5 °C für Luft und Untergrund, bei Verarbeitung und Trocknung (beide Hersteller).
  7. Trocknen lassen: oberflächentrocken nach 4 bis 6 Stunden, belastbar nach etwa 3 Tagen (20 °C, 65 % Luftfeuchte); erst dann Möbel anstellen und feucht wischen.

Rechenbeispiel Flur: 6 m lang, 1,20 m breit, 2,50 m hoch ergibt 36 m² Wand, abzüglich vier Türen zu je etwa 1,8 m² rund 29 m². Zwei Anstriche zu 140 ml/m² (Caparol) sind gut 8 Liter, zu 110 ml/m² (Alpina) rund 6,3 Liter; auf Raufaser mehr, Caparol rät zur Probefläche. Die allgemeine Technik vom Abkleben bis zum Nachrollen beschreibt unser Ratgeber Innenräume streichen.

Latexfarbe überstreichen oder entfernen

Eine intakte Latexwand muss nicht herunter. Tragfähigkeit prüfen: Malerkrepp fest andrücken, ruckartig abziehen; bleibt Farbe am Band, ist die Schicht nicht tragfähig. Ist sie fest, gilt: Caparol schreibt „Glänzende Oberflächen und Lackbeschichtungen anrauen“, Alpina „Glänzende Altanstriche gründlich anrauen und direkt überstreichen“. Danach entstauben (beim Schleifen nennt Alpina einen Staubfilter P2) und wie oben streichen.

Wer von Latex auf eine mineralische Silikat- oder Kalkfarbe wechseln will, liest zuerst das Merkblatt der neuen Farbe: Silikatfarben brauchen auf alten Dispersionsanstrichen in der Regel eine haftvermittelnde Grundierung, und ob ein glänzender Altanstrich überhaupt als Untergrund zugelassen ist, steht im Merkblatt. Muss die Farbe wirklich herunter:

  • Auf Putz: nicht tragfähige Altanstriche laut Alpina durch Abkratzen, Abschaben, Abbürsten oder Abschleifen entfernen und entstauben.
  • Auf Tapete: Ein Latexanstrich hält Wasser und Tapetenlöser von der Kleisterschicht fern. Henkel schreibt im Technischen Merkblatt des Metylan Tapetenablösers, wasserundurchlässige, mehrschichtig geklebte oder beschichtete Tapeten vor dem Einweichen mit grobem Schleifpapier, einer Stachelwalze oder ähnlichem Werkzeug aufzurauen; verarbeitet wird nicht unter +10 °C, empfohlen sind +18 °C. Mehr zum Umgang mit Raufaser im Ratgeber Raufaser streichen.

Raumluft: VOC, Konservierungsmittel und der Blaue Engel

Bei den Lösemitteln sind moderne Latexfarben unauffällig: Der EU-Grenzwert (Kat. A/a) liegt laut Caparol bei 30 g/l, die drei Caparol-Latexfarben enthalten höchstens 1 g/l. Relevant sind die Konservierungsmittel: Caparol und Alpina deklarieren Isothiazolinone mit dem Hinweis „Kann allergische Reaktionen hervorrufen“ und nennen kostenlose Allergie-Hotlines; Alpina rät, während Verarbeitung und Trocknung gründlich zu lüften.

Die Vergabekriterien des Blauen Engels für Wandfarben (DE-UZ 102), Ausgabe Januar 2019 in der Version 7 mit Laufzeit bis Ende 2027, verlangen:

  • höchstens 700 ppm flüchtige organische Stoffe, auch bei Farbmischsystemen;
  • keine Topf- und keine Filmkonservierungsmittel; für Isothiazolinone gelten nur noch Spurengrenzen (zum Beispiel Benzisothiazolinon höchstens 10 ppm);
  • Nassabriebklasse 1 bis 3; ausgeschlossen sind Lacke, Dispersionslackfarben und Farben, die mit einer Funktion wie Anti-Schimmel werben;
  • konforme Abtönpasten; mit einer nicht konformen Paste gemischt, entfällt das Zeichen.

Die vier Latexfarben dieses Artikels deklarieren Konservierungsmittel und erfüllen diesen Punkt der aktuellen Fassung deshalb nicht. Wer für Schlaf- oder Kinderzimmer streicht oder eine bekannte Isothiazolinon-Allergie hat, sucht gezielt nach einer konservierungsmittelfreien Farbe mit dem Zeichen und prüft deren Nassabriebklasse im Merkblatt.

Flur, Küche oder Bad neu streichen?

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Noch ein Hinweis zur Abgrenzung: Die Merkblätter nennen Innenanstriche auf Wänden und Decken als Verwendungszweck. Für Türen, Zargen und Heizkörper sind Lacke gedacht, nicht Latexfarbe; wie das geht, zeigt unser Ratgeber Türen und Türrahmen lackieren.

Quellen und Referenzen

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Häufige Fragen

Was ist Latexfarbe?
Latexfarbe ist heute eine Kunststoff-Dispersionsfarbe für innen, kein Produkt aus Naturkautschuk. Caparol nennt als Materialbasis seiner Latexfarben „Kunststoff-Dispersionsfarbe“ mit Polyvinylacetatharz als Bindemittel, Alpina deklariert eine Polyvinylacetat-Dispersion. Typisch sind Nassabriebklasse 1 nach DIN EN 13300 und ein seidenmatter bis seidenglänzender Film.
Was ist der Unterschied zwischen Latexfarbe und Dispersionsfarbe?
Latexfarbe ist eine Dispersionsfarbe mit mehr Bindemittel im Verhältnis zu Pigment und Füllstoff. Der Film wird dichter und glatter, meist seidenmatt oder seidenglänzend, und lässt sich feucht reinigen. Matte Premium-Dispersionen erreichen heute ebenfalls Nassabriebklasse 1, bleiben aber stumpf.
Ist Latexfarbe diffusionsoffen?
Nach den Merkblättern ja: Caparol gibt für seine Latexfarben sd-Werte unter 0,2 bzw. 0,3 m an, und nach DIN 4108-3 gilt eine Schicht bis 0,5 m als diffusionsoffen. Mehrere Anstriche addieren sich jedoch. Das Umweltbundesamt betont zudem, dass Wände nicht „atmen“: Die Dampfdichtheit des Wandaufbaus hat nur minimalen Einfluss auf die Raumluftfeuchte.
Kann man Latexfarbe im Bad verwenden?
Ja, für Wände und Decken außerhalb des Spritzwasserbereichs. Caparol weist Latex Samt 10 und Latex Satin 20 auch für Räume mit dauerhaft erhöhter Luftfeuchte als geeignet aus. Die Duschwand selbst ist kein Fall für Wandfarbe, und bei vorhandenem Schimmel muss zuerst die Ursache beseitigt werden.
Wie entfernt man Latexfarbe von der Wand?
Auf Putz werden nicht tragfähige Anstriche mechanisch durch Abkratzen, Abschaben, Abbürsten oder Abschleifen entfernt. Auf Tapete muss der Latexanstrich vor dem Einweichen mit Stachelwalze oder grobem Schleifpapier aufgeraut werden, damit der Tapetenlöser den Kleister erreicht. Eine feste Latexschicht muss nicht herunter: anrauen und überstreichen.
Kann man Latexfarbe mit normaler Wandfarbe überstreichen?
Ja, wenn der Altanstrich fest haftet. Caparol und Alpina verlangen, glänzende Altanstriche vorher anzurauen; danach wird entstaubt, bei Bedarf grundiert und zweimal gestrichen. Für mineralische Silikat- oder Kalkfarben entscheidet das Merkblatt der neuen Farbe, ob und mit welcher Grundierung ein Dispersions-Altanstrich zulässig ist.

Erwähnte Markennamen (Sherwin-Williams, Benjamin Moore, Behr, Caparol, Brillux, Sto, Alpina, Valspar, PPG, Glidden, Dulux, Crown, Sandtex, Farrow & Ball, Johnstone's, Leyland) sind Eigentum der jeweiligen Inhaber. FacadeColorizer ist unabhängig und mit keiner dieser Marken affiliiert. Nominative fair use gemäß Lanham Act §1125.

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