Technisches Glossar Fassade & Renovierung
Alles, was Sie wissen müssen, um Ihre Angebote zu verstehen, Ihre Materialien auszuwählen und Ihre Arbeiten erfolgreich durchzuführen.
Fachwerk
Historische Holzskelettbauweise, bei der ein tragender Holzrahmen mit Gefachen (Ausfachungen aus Lehm, Ziegel oder Flechtwerk) ausgefüllt wird. Typisch für Mittel- und Süddeutschland.
Gründerzeitfassade
Aufwendig verzierte Fassade aus der Gründerzeit (ca. 1870–1914) mit Stuckelementen, Gesimsen und Ornamenten. Diese Fassaden prägen das Stadtbild vieler deutscher Großstädte.
Vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF)
Fassadenkonstruktion, bei der die Bekleidung (Platten, Kassetten, Schindeln) mit Abstand vor der gedämmten Wand montiert wird. Der Luftspalt ermöglicht eine permanente Hinterlüftung.
EPS (Expandiertes Polystyrol)
Geschäumter Kunststoff-Dämmstoff, im Volksmund als Styropor bekannt. EPS ist der meistverwendete Dämmstoff im WDVS-Bereich in Deutschland aufgrund seines günstigen Preis-Leistungs-Verhältnisses.
Innendämmung
Anbringung von Dämmmaterial auf der Innenseite der Außenwand. Sie kommt zum Einsatz, wenn eine Außendämmung nicht möglich ist, etwa bei denkmalgeschützten Fassaden.
Kerndämmung
Nachträgliche Dämmung des Hohlraums bei zweischaligem Mauerwerk durch Einblasen oder Injizieren von Dämmmaterial. Besonders verbreitet in Norddeutschland.
Mineralwolle
Nichtbrennbarer Faserdämmstoff aus Stein- oder Glaswolle. Mineralwolle bietet neben der Wärmedämmung auch hervorragenden Schall- und Brandschutz.
Vollwärmeschutz
Umgangssprachlicher Begriff für ein WDVS (Wärmedämmverbundsystem). Er beschreibt die vollflächige Dämmung der Außenwand mit einem zusammenhängenden System.
WDVS (Wärmedämmverbundsystem)
Ein mehrschichtiges System zur Außendämmung von Gebäudefassaden, bestehend aus Dämmstoff, Armierung und Außenputz. Es ist die am weitesten verbreitete Methode der energetischen Fassadensanierung in Deutschland.
Wärmebrücke
Ein Bereich in der Gebäudehülle, durch den Wärme schneller nach außen geleitet wird als durch die angrenzenden Bauteile. Wärmebrücken verursachen höhere Heizkosten und Schimmelgefahr.
Blower-Door-Test
Messverfahren zur Bestimmung der Luftdichtheit eines Gebäudes. Ein Ventilator erzeugt eine Druckdifferenz und misst den Luftwechsel bei 50 Pascal Druckunterschied (n50-Wert).
Energieausweis
Amtliches Dokument, das die energetische Qualität eines Gebäudes ausweist. Er ist bei Verkauf, Vermietung und Neubau Pflicht und enthält den Endenergiebedarf oder -verbrauch.
Primärenergiebedarf
Die gesamte Energiemenge, die für Heizung, Warmwasser und Lüftung eines Gebäudes benötigt wird – einschließlich der Verluste bei Energieerzeugung und -transport.
U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient)
Kennzahl für den Wärmeverlust eines Bauteils in W/(m²K). Je niedriger der U-Wert, desto besser die Wärmedämmung. Der U-Wert ist die zentrale Größe für die energetische Bewertung von Fassaden.
Dispersionsfarbe
Wasserbasierte Fassadenfarbe mit Kunststoffbindemitteln (Acrylat, Reinacrylat). Sie ist die am häufigsten eingesetzte Fassadenfarbe in Deutschland.
Fassadenanstrich
Die farbliche Beschichtung der Außenwand mit einer geeigneten Fassadenfarbe. Der Fassadenanstrich dient sowohl dem ästhetischen Erscheinungsbild als auch dem Witterungsschutz.
Grundierung
Vorbehandlung des Untergrunds vor dem Anstrich oder Verputzen. Sie reguliert die Saugfähigkeit und verbessert die Haftung nachfolgender Schichten.
Hellbezugswert (HBW)
Kennzahl, die beschreibt, wie viel Sonnenlicht eine Farbfläche reflektiert (0 = Schwarz, 100 = Weiß). Auf WDVS-Fassaden dürfen nur Farben mit HBW über 20–25 verwendet werden.
NCS-Farbsystem
Natural Color System – ein internationales Farbordnungssystem aus Schweden, das Farben anhand der menschlichen Farbwahrnehmung beschreibt. Ergänzend zu RAL in der Architektur verwendet.
RAL-Farben
Genormtes Farbsystem des RAL-Instituts mit etwa 2.500 Farbtönen. RAL Classic und RAL Design sind die Standardreferenz für Fassadenfarben in Deutschland.
Silikonharzfarbe
Premium-Fassadenfarbe auf Silikonharzbasis, die wasserabweisend und zugleich dampfdurchlässig ist. Sie bietet den besten Schutz gegen Verschmutzung und Algenbefall.
BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle)
Bundesbehörde, die Zuschüsse für energetische Einzelmaßnahmen vergibt, darunter Fassadendämmung und Fenstererneuerung.
Energieeffizienz-Experte
Qualifizierter Fachmann (Energieberater, Architekt, Ingenieur), der für die Beantragung von KfW- und BAFA-Fördermitteln zugelassen ist. Er bestätigt die fachgerechte Planung und Ausführung.
Individueller Sanierungsfahrplan (iSFP)
Vom Energieberater erstellter Stufenplan für die energetische Sanierung eines Gebäudes. Er zeigt den optimalen Ablauf einzelner Maßnahmen und deren Einsparpotenzial.
KfW-Förderung
Staatliche Förderprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für energetische Gebäudesanierung. Für Fassadendämmung gibt es zinsgünstige Kredite und Tilgungszuschüsse.
Fassadenplaner
Spezialisierter Ingenieur oder Architekt, der die Fassadengestaltung und -konstruktion plant, Ausschreibungen erstellt und die Bauausführung überwacht.
Malermeister
Handwerksmeister im Maler- und Lackiererhandwerk mit Meisterbrief. Nur ein Meisterbetrieb darf selbstständig Fassadenarbeiten ausführen und Lehrlinge ausbilden.
Stuckateur
Handwerker, der auf Putz-, Stuck- und WDVS-Arbeiten spezialisiert ist. Der Stuckateur ist der Fachmann für die Herstellung und Sanierung von Fassadenputzen.
Armierungsgewebe
Alkalifestes Glasfasergewebe, das in die Armierungsschicht eines WDVS eingebettet wird. Es verteilt mechanische Spannungen und verhindert Rissbildung im Oberputz.
Außenputz
Witterungsbeständiger Putz, der als Schutz- und Dekorschicht auf die Außenwand oder auf ein WDVS aufgebracht wird. Er schützt die Fassade vor Regen, Wind und UV-Strahlung.
Fassadenplatte
Großformatige Platte zur Verkleidung von Fassaden, hergestellt aus Faserzement, HPL, Keramik oder Naturstein. Sie wird auf einer Unterkonstruktion befestigt.
Klinker
Hartgebrannter Ziegel mit sehr geringer Wasseraufnahme, der als Fassadenverkleidung dient. Klinkerfassaden sind extrem langlebig und nahezu wartungsfrei.
Mineralputz
Putz auf Basis mineralischer Bindemittel wie Kalk, Zement oder einer Kombination beider. Mineralputze sind diffusionsoffen und besonders umweltfreundlich.
Silikonharzputz
Hochwertiger Fassadenputz mit Silikonharz als Bindemittel. Er kombiniert Wasserabweisung mit Diffusionsoffenheit und gilt als Premium-Oberputz für WDVS.
Sockelputz
Spezieller wasserabweisender Putz für den Sockelbereich eines Gebäudes, der Spritzwasser und Erdfeuchte standhalten muss.
Wärmedämmplatte
Plattenförmiger Dämmstoff, der bei WDVS-Systemen auf die Außenwand aufgebracht wird. Die gängigsten Materialien sind EPS, Mineralwolle und Resol-Hartschaum.
Fassadenreinigung
Professionelle Reinigung der Fassadenoberfläche von Verschmutzung, Algen, Moos und Graffiti. Sie ist oft der erste Schritt vor einem Neuanstrich oder einer Sanierung.
Graffitischutz
Schutzschicht auf der Fassade, die das Entfernen von Graffiti ermöglicht, ohne den Untergrund zu beschädigen. Es gibt permanente und temporäre (Opferschicht-)Systeme.
Hydrophobierung
Imprägnierung der Fassadenoberfläche mit wasserabweisenden Substanzen (Silane, Siloxane), die eindringendes Regenwasser verhindern, aber die Dampfdurchlässigkeit erhalten.
Abplatzungen
Ablösung von Putz- oder Farbschichten von der Fassade, meist durch Frosteinwirkung, mangelnde Haftung oder Feuchtigkeit hinter der Beschichtung.
Algenbewuchs
Grünliche oder dunkelgraue Verfärbung der Fassade durch Algen- und/oder Pilzbefall. Besonders häufig an nordwestlich ausgerichteten, gedämmten Fassaden.
Feuchteschäden
Durch eindringende oder aufsteigende Feuchtigkeit verursachte Schäden an der Fassade wie Putzabplatzungen, Salzausblühungen, Schimmelbildung oder Frostsprengung.
Putzrisse
Rissbildung im Fassadenputz, verursacht durch Spannungen im Untergrund, Verarbeitungsfehler oder thermische Belastung. Putzrisse können zu Feuchtigkeitseintritt und Folgeschäden führen.
Bebauungsplan (B-Plan)
Rechtsverbindlicher Plan der Gemeinde, der Festsetzungen zur Bebauung enthält – darunter auch Vorschriften zur Fassadengestaltung, Materialien und Farbgebung.
Denkmalschutz
Gesetzlicher Schutz für kulturhistorisch bedeutsame Gebäude und deren Fassaden. Jede Veränderung am äußeren Erscheinungsbild erfordert die Genehmigung der Denkmalschutzbehörde.
GEG (Gebäudeenergiegesetz)
Das zentrale Gesetz zur Energieeffizienz von Gebäuden in Deutschland, seit November 2020 in Kraft. Es legt Mindestanforderungen an den Wärmeschutz bei Neubau und Sanierung fest.
Handwerkskammer (HWK)
Berufsständische Körperschaft des öffentlichen Rechts, die das Handwerk in einem Kammerbezirk vertritt. Sie führt die Handwerksrolle und überwacht die Qualifikation der Betriebe.
Landesbauordnung (LBO)
Landesgesetz, das die baulichen Anforderungen an Gebäude regelt, einschließlich Brandschutz, Standsicherheit und Gestaltung von Fassaden.
Airless-Spritzverfahren
Maschinelles Farbauftragverfahren, bei dem die Farbe ohne Druckluft durch eine Hochdruckpumpe zerstäubt wird. Ermöglicht einen schnellen und gleichmäßigen Fassadenanstrich.
Gerüst
Temporäres Arbeits- und Schutzgerüst, das für Fassadenarbeiten aufgestellt wird. Die Gerüstkosten machen einen erheblichen Teil der Gesamtkosten einer Fassadensanierung aus.
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