Fassadenfarbe Denkmalschutz 2026: 8 Top-Farben
Vorschriften & Genehmigungen

Fassadenfarbe Denkmalschutz 2026: 8 Top-Farben

Anna, Denkmalpflegerin 2026-04-16 5 Min. Lesezeit
Fassadenfarbe für Denkmalschutz 2026: Top 8 zugelassene Farben, Vorschriften der Denkmalschutzbehörden, historische RAL-Töne und Steuervorteile nach § 7i EStG.

In Deutschland stehen laut Deutsche Stiftung Denkmalschutz rund 1,3 Millionen Gebäude unter Denkmalschutz — das entspricht etwa 3 % aller Bauwerke. Wer ein solches Objekt streichen lassen möchte, unterliegt den Denkmalschutzgesetzen der 16 Bundesländer und benötigt eine Genehmigung der Unteren Denkmalschutzbehörde. Nicht jede moderne Fassadenfarbe ist erlaubt: der Untergrund muss atmen können, und der Farbton muss zur Bauepoche passen. Dieser Ratgeber stellt die Top 8 für Denkmäler zugelassenen Fassadenfarben 2026 vor und erklärt Vorschriften und Fördermittel. Testen Sie historische RAL-Töne vorab: Fassaden-Simulator öffnen.

Welche Vorschriften gelten?

Denkmalschutz ist in Deutschland Ländersache. Jedes Bundesland hat ein eigenes Denkmalschutzgesetz (DSchG BY, DSchG NRW, DSchG BW etc.), doch die Grundprinzipien sind identisch:

  • Genehmigungspflicht: Jede Fassadenmaßnahme muss vor Ausführung von der Unteren Denkmalschutzbehörde (UDB) genehmigt werden.
  • Erhaltungsgebot: Originalputz, Stuck und historische Farbtöne sind zu bewahren (Farbarchäologie kann vorgeschrieben werden).
  • Substanzverträglichkeit: Neue Beschichtungen müssen diffusionsoffen und mineralisch sein (nach DIN 18363 und WTA-Merkblatt 2-7).
  • Umkehrbarkeit: Maßnahmen sollen rückgängig gemacht werden können ohne die Substanz zu schädigen.

Bei Verstößen drohen Bußgelder bis 250.000 € (§ 27 DSchG BY) sowie Anordnung zur Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands auf eigene Kosten.

Die Top 8 zugelassenen Fassadenfarben für Denkmäler

Alle aufgeführten Produkte erfüllen die Anforderungen der Denkmalschutzbehörden und entsprechen der DIN 18363 für mineralische Beschichtungen.

1. Keim Purkristalat

Die reine Zwei-Komponenten-Silikatfarbe nach DIN 18363 Abschnitt 2.4.1 gilt als Goldstandard im Denkmalschutz. Mineralische Verkieselung mit dem Untergrund, extreme Lichtechtheit, Haltbarkeit bis 40 Jahre. Preis: 12 bis 18 € pro Liter. Einsatz: historischer Kalkputz, Naturstein, Ziegel.

2. Keim Granital

Die Ein-Komponenten-Silikatfarbe ist praktischer in der Verarbeitung und deckt in der Regel mit einem Anstrich. Ebenfalls denkmalgerecht, Haltbarkeit 20 bis 30 Jahre. Preis: 9 bis 14 € pro Liter. Standard bei vielen UDB in Bayern und Baden-Württemberg.

3. Caparol Sylitol Finish

Sol-Silikatfarbe mit Kieselsol-Bindemittel, verbindet die Vorteile von Silikat (mineralisch, diffusionsoffen) mit einfacherer Verarbeitung. Zugelassen in fast allen UDB. Preis: 8 bis 12 € pro Liter.

4. Brillux Histolith Silikatfarbe

Die Histolith-Serie von Brillux ist speziell für Denkmalpflege entwickelt und wird von vielen Architekten und Restauratoren empfohlen. Historische Farbfächer mit über 240 denkmalgerechten Nuancen. Preis: 10 bis 15 € pro Liter.

5. Sto StoSilco Color

Silikonharz-Fassadenfarbe mit mineralischem Charakter, dort zugelassen, wo reine Silikate nicht möglich sind. Wasserabweisend und diffusionsoffen, sehr haltbar (15 bis 20 Jahre). Preis: 11 bis 14 € pro Liter.

6. Keim Soldalit

Moderne Sol-Silikatfarbe mit erweiterter Untergrundverträglichkeit (auch auf Altanstrichen anwendbar, was bei reinen Silikaten schwieriger ist). Ideal für Altbauten mit bestehenden Dispersions-Altanstrichen. Preis: 10 bis 14 € pro Liter.

7. Auro Kalk-Fassadenfarbe Nr. 344

Rein mineralische Kalkfarbe aus Sumpfkalk, traditionell und maximal diffusionsoffen. Besonders für sehr alte Bauten (Fachwerk, Bruchstein) zugelassen. Preis: 14 bis 20 € pro Liter. Ökologisch zertifiziert.

8. Beeck Renosil

Traditionsmarke aus Österreich, reine Silikatfarbe nach DIN 18363, sehr häufig in UDB-Listen in Sachsen und Thüringen. Preis: 11 bis 15 € pro Liter.

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Historische Farbtöne und RAL-Codes für Baudenkmäler

Historische Farbtöne nach Bauepoche

Die Untere Denkmalschutzbehörde prüft neben der Produktwahl auch den Farbton. Er muss zur Bauepoche passen. Orientierungshilfe:

Epoche Typische Farbtöne RAL / Referenz
Barock (1600–1770) Ocker, gebrochene Gelbtöne, Pompeji-Rot RAL 1001, 1015, 3013
Klassizismus (1770–1840) Kreideweiß, Elfenbein, helles Siena RAL 9001, 1014
Gründerzeit (1870–1900) Sandstein, Altrosa, Englischrot, Grau RAL 7033, 3012, 7030
Jugendstil (1895–1914) Salbeigrün, gebrochenes Weiß, Lavendel RAL 6019, 9002
Bauhaus/Moderne (1919–1933) Reinweiß, Anthrazit, Primärrot RAL 9010, 7016, 3020

Genehmigungsverfahren: so läuft es ab

Das Genehmigungsverfahren nach den Landes-DSchG dauert in der Regel 6 bis 12 Wochen. Die erforderlichen Unterlagen:

  1. Antragsformular der Unteren Denkmalschutzbehörde (kommunal unterschiedlich).
  2. Fotodokumentation des Ist-Zustands (Gesamtansicht + Details).
  3. Farbprobe oder Simulation des gewünschten Endzustands.
  4. Produktdatenblatt der gewählten Fassadenfarbe (DIN 18363-Konformität).
  5. Befundgutachten bei unbekanntem Originalfarbton (Restaurator, 400–1.200 €).

Ein Vorab-Beratungstermin mit dem Denkmalpfleger ist kostenlos und hoch empfehlenswert — das vermeidet Ablehnungen.

Steuervorteile bei Baudenkmalen

Baudenkmaleigentümer profitieren von erheblichen Steuervorteilen nach dem Einkommensteuergesetz:

  • § 7i EStG (vermietete Objekte): 100 % Abschreibung des Erhaltungsaufwands über 8 bis 12 Jahre.
  • § 10f EStG (selbstgenutzte Objekte): 90 % des Sanierungsaufwands über 10 Jahre absetzbar.
  • BAFA-Zuschuss: zusätzlich Förderung für energetische Maßnahmen (Innendämmung statt WDVS).

Voraussetzung: Bescheinigung der Denkmalschutzbehörde muss vor Maßnahmenbeginn vorliegen.

Häufige Fragen zum Denkmalschutz

Welche Fassadenfarbe ist im Denkmalschutz Pflicht?

Keine bestimmte Marke, aber der Typ ist vorgeschrieben: Silikatfarben oder Sol-Silikatfarben nach DIN 18363 Abschnitt 2.4.1 (z. B. Keim Granital, Caparol Sylitol, Brillux Histolith). Dispersions- oder Silikonharzfarben werden nur in Ausnahmefällen genehmigt, wenn der Untergrund dies erfordert.

Kann ich eine andere Farbe wählen als den Originalton?

In der Regel nein. Die UDB verlangt den zur Bauepoche passenden Farbton, oft nachgewiesen durch Farbbefund (Farbarchäologie). In einzelnen Bundesländern (z. B. Hamburg, Berlin) sind moderate Abweichungen innerhalb einer historisch plausiblen Palette möglich. Immer vorab klären.

Wie lange dauert die Genehmigung?

In der Praxis 6 bis 12 Wochen, in komplexen Fällen (Ensemble-Schutz, Zustimmung des Landesdenkmalamtes erforderlich) bis zu 6 Monate. Ein kostenfreier Vor-Ort-Termin mit dem Denkmalpfleger beschleunigt das Verfahren erheblich.

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